Montag, 4. Juli 2016

Interview in der Zeitschrift "Vegan für mich"

Im letzten Jahr wurde in der Zeitschrift "Vegan für mich" (02/2015) ein kurzer Beitrag  zu unserem Blog veröffentlicht.

Mit freundlicher Erlaubnis des Verlages können Sie das Interview nun auch hier lesen.

Näheres zu der  Zeitschrift "Vegan für mich"  finden Sie hier.





Samstag, 19. März 2016

Neigen vegetarisch-vegan lebende Menschen seltener zu Vorurteilen und befürworten seltener autoritäre Strukturen und Hierarchien als omnivor lebende Menschen?


Eine aktuelle Studie von Veser, Taylor & Singer (2015) kommt zu folgendem Schluss:


„Menschen, die Fleisch und andere tierische Produkte essen, neigen eher zu Vorurteilen und befürworten eher autoritäre Strukturen und Hierarchien“ 


Sehen Sie hier die Pressemitteilung der UniMainz.


Dieses Ergebnis steht in Einklang mit der Feststellung, dass vegetarisch-vegan lebende Menschen sich überdurchschnittlich oft linkspolitisch einordnen (siehe PDF: Politische Einstellung). Allerdings sind die Unterschiede in der Studie von Veser et al. (2015) relativ klein, die Tendenz zu Vorurteilen, autoritären Strukturen und Hierarchien war insgesamt bei allen Gruppen eher gering ausgeprägt. 


Hier ist das Abstract der Studie abrufbar:   



Veröffentlichung
P. Veser, K. Taylor, S. Singer, Diet, authoritarianism, social dominance orientation, and predisposition to prejudice, British Food Journal 117:7, 1949-1960, 2015 



Nachtrag: Die daraus möglicherweise resultierende Schlussfolgerung, dass eine vegetarische Lebensweise prosoziales Verhalten kausal fördere, ist natürlich nicht haltbar.
Darauf weist Professor Krämer in einer Pressemitteilung aus der Reihe "Unstatistik" hin.  

Freitag, 8. Januar 2016

Fragebogenstudie "Wie leben Vegetarier in Deutschland?

Die Ergebnisse einer Fragebogenstudie mit dem Titel: "Wie leben Vegetarier in Deutschland?" finden Sie hier.

Interessant ist bei dieser Studie, dass omnivor lebende Menschen zu ihrer Meinung gegenüber vegetarisch lebenden Menschen befragt wurden. Dabei zeigte sich bei omnivor lebenden Menschen tendenziell ein hohes Verständnis und Interesse an der vegetarischen Lebensweise.

Hier finden Sie die ausführlichen Ergebnisse.

Samstag, 24. Oktober 2015

Wie Befragungen und Studien zu vegetarisch-veganer Lebensweise gelingen

Es gibt Fehler bei der Durchführung von Befragungen, die Sie unbedingt vermeiden sollten. Insbesondere bei Studien zu der vegetarisch-veganen- Lebensweise sollten Sie folgendes beachten:

1. Das Anliegen vorstellen

Hier reicht es aus, kurz Ihren Namen zu nennen, Ihr Studienfach oder Ihre Profession und den Rahmen in dem Sie diese
Befragung durchführen. Beispielsweise so: „Mein Name ist Max Mustermann, ich studiere Psychologie und arbeite aktuell an meiner Bachelor-Arbeit“. Sollte Ihre Befragung durch eine Institution außerhalb der Universität (Unternehmen oder Verein) aktiv unterstützt werden, sollten Sie dies kenntlich machen und ggf. kurz erklären, wie es zu dieser Unterstützung kam. Für weitere Nachfragen Kontaktdaten hinterlegen.


2. Das Thema vorstellen

Es ist sinnvoll, kurz das Thema der
Befragung zu beschreiben. Hier reicht es in der Regel, einen Satz zu schreiben. Am sinnvollsten ist es, wenn Sie eine spannende Frage formulieren, auf die Sie mit Ihrer Studie eine Antwort finden wollen.

Sie müssen Ihre
Hypothesen hier aber nicht exakt und vollständig darlegen. Im schlimmsten Fall kann dies sogar zu verzerrten Ergebnissen führen. Ein Beispiel: Sie wollen die Hypothese prüfen, ob vegan lebende Menschen seltener Impfungen in Anspruch nehmen, als Menschen, die vegetarisch leben.  Wenn Sie die Personen der Zielgruppe nun mit dieser Hypothese konfrontieren, kann es dazu führen, dass Teilnehmer beschließen, den Ausgang Ihrer Befragung zu beeinflussen- indem sie beispielsweise nicht ganz ehrlich antworten. Hier wäre es günstiger, das Thema etwas breiter zu beschreiben: Beispielsweise indem Sie schreiben, dass Sie den Zusammenhang der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen und vegetarisch-veganer Lebensweise untersuchen. Das entspricht ebenfalls der Wahrheit und Sie haben dann die Möglichkeit, im Fragebogen noch andere medizinische Leistungen auzuflisten, die neben Impfungen stehen könnten. Damit lenken Sie nicht den Fokus auf Impfungen im Speziellen. Den“ wahren“ Fokus Ihrer Untersuchung können Sie den Teilnehmern im Anschluss an die Befragung mitteilen.

Wenn Sie nicht das echte Thema Ihrer
Befragung nennen möchten, stehen Sie vor der schwierigen Frage, ob Sie das Thema Ihrer Befragung verschleiern können. Es kann sogar sein, dass Sie mit einer „Cover-Story“ arbeiten wollen, damit die Teilnehmer nicht genau verstehen, worauf Sie hinauswollen. Dann müssen Sie dies zumindest am Ende der Befragung auflösen und den Teilnehmern erklären, warum Sie so vorgegangen sind. Diese Vorgehensweise sollten Sie auf keinen Fall wählen, wenn Sie eine Befragung durchführen, die „heikle“ Themen anspricht, also Sachverhalte, die bei den Teilnehmern unangenehme Erinnerungen oder Gedanken auslösen könnten.

Generell sollten Sie Ihre Hypothesen neutral formulieren. Eine Studie, die das Ziel hat, zu zeigen, dass vegetarisch-vegan lebende Menschen glücklicher sind, als andere Menschen, wird vor allem Menschen zur Teilnahme motivieren, die diese Hypothese bestätigen wollen. Das führt zu verzerrten Ergebnissen, die nicht ernst genommen werden.


Im Anschluss daran bitten Sie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ausdrücklich zu bestätigen, dass Sie an der Studie teilnehmen möchten. Das kann so aussehen:





Wenn Personen die zweite Option auswählen, können Sie diese mit einer Sprungfunktion direkt an das Ende der Befragung leiten.


3. Persönliche Angaben

Grundsätzlich sollten nur so wenige Daten wie möglich erhoben werden, die einen Rückschluss auf individuelle Personen ermöglichen. Setzen Sie die Fragen lediglich theoriebasiert ein. Fragen Sie also nur nach genauem Wohnort, Einkommen und Anzahl der Kinder, wenn Sie diese Variablen begründet in Zusammenhang mit Ihren Daten setzen möchten, nicht nur aus reiner Routine. Sollten Sie motiviert sein oder dazu angehalten worden sein (z.B. von den Betreuern ihrer Arbeit), personenbezogene Daten zu erheben, sollten Sie dann die Möglichkeit offen lassen, diese nicht zu beantworten (die Fragen also nicht als Pflichtfragen einsetzen). Die Wahrscheinlichkeit, dass Personen die Fragen freiwillig beantworten ist höher, wenn sie am Ende einer interessanten Befragung  auftreten.

4. Anrede: Duzen oder Siezen

Es gibt nicht wenige Personen, die ungern mit „Du“ angesprochen werden. Wählen Sie also eine Formulierung, die jeder befragten Person angemessen ist. Verwenden Sie also im Zweifelsfall immer die Anrede per „Sie“, selbst wenn Sie einige der Teilnehmer persönlich kennen oder annehmen, dass viele Personen das „Du“ bevorzugen.

Auch bei der ersten Anrede in Ihrer Einleitung sollten Sie eher förmlich sein. „Sehr geehrte Damen und Herren“ klingt besser als ein einfaches „Hallo liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer“.

Selbstverständlich gibt es Ausnahmen. Wenn Sie eine Umfrage in Ihrem Freundeskreis durchführen, oder eine Studie mit Sechstklässlern planen, dann ist es selbstverständlich in Ordnung zu „Duzen“.

5. Anrede: Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Es gibt verschiedene Möglichkeiten unter denen Sie wählen können:

a) Beide Geschlechter immer gleichzeitig ansprechen:

„Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer“. Dieses Vorgehen ist grundsätzlich zu empfehlen, da es beide Geschlechter gleichwertig berücksichtigt und den befragten Personen vertraut ist. Der Nachteil besteht jetzt darin, dass Sie längere Sätze bilden müssen.
Etwas kürzer ist: „Liebe Teilnehmer/-innen“.
Oder alternativ, aber weniger zu empfehlen: „Liebe Teilnehmer(innen)“.

„Liebe TeilnehmerInnen“. Dieses Binnen-I steht dafür, dass beide Geschlechter gemeint sind und ist platzsparender. Der Nachteil ist, dass es gewöhnungsbedürftig aussieht, schwer auszusprechen ist und zu Missverständnissen führen kann.

Nicht zu empfehlen sind die folgenden Varianten:

b) Die männliche Form verwenden:
„Liebe Teilnehmer“. Dann müssten Sie unbedingt einen Satz wie den Folgenden hinzufügen: „Wir verwenden hier die männliche Sprachform, diese ist bei allen Inhalten wertneutral zu verstehen und schließt die weibliche Bezeichnung stets mit ein“. Dies kommt in der Praxis häufiger vor, und bietet sich an, wenn die Mehrheit der befragten Personen männlich ist.

c) Die weibliche Form verwenden: „Liebe Teilnehmerin“. Dann müssten Sie ebenfalls einen Satz wie den Folgenden hinzufügen: „Wir verwenden hier die weibliche Sprachform, diese ist bei allen Inhalten wertneutral zu verstehen und schließt die männliche Bezeichnung stets mit ein“. Dies kommt in der Praxis sehr selten vor, und bietet sich an, wenn die Mehrheit der befragten Personen weiblich ist.


6. Das Geschlecht als Kategorie

Die klassischen Kategorien „Männlich“ und „Weiblich“ werden von manchen Menschen abgelehnt, die sich diesen Kategorien nicht zuordnen möchten. Um der Vielfalt intergeschlechtlicher Realitäten gerecht zu werden, empfehlen wir die Aufnahme einer dritten Kategorie: „Anders, und zwar…“ Durch die Möglichkeit eine entsprechende Freitextantwort (nicht verpflichtend) zu geben, kann jede Person für sich die passende Antwort geben.
Im Fragebogen sieht das dann also so aus:



7. Die vegan-vegetarische Lebensweise kategorisieren

Zunächst müssen Sie sich überlegen, ob Sie sich auf die Ernährung oder die Lebensweise beziehen möchten. Letzteres ist umfassender, allerdings kann dabei die Frage aufgeworfen werden, inwieweit eine umfassende vegane Lebensweise in der Realität möglich ist, bzw. wann genau die Grenze des Möglichen überschritten wird. Im Zweifelsfall geben Sie eine genaue Definition vor. Die Antwortoptionen sollten das Spektrum möglich umfassend abbilden. Unser Vorschlag sieht so aus.



Anstatt das vegetarische Spektrum weiter zu differenzieren, haben wir die Kategorie „Wechselnd zwischen Vegetarisch und Vegan eingeführt“. Dass diese Kategorisierung empirisch sinnvoll war, können Sie hier nachlesen.  


8. Rückmeldung an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Eine Rückmeldung der Ergebnisse ist eine gute Methode, Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Mitarbeit zu motivieren. Allerdings ist dies sehr arbeitsaufwändig. Überlegen Sie sich also eine effiziente Form der Rückmeldung. Sie könnten beispielsweise anbieten, Ihre fertige Arbeit (die Sie vielleicht ohnehin anfertigen) zuzusenden. Das sollten sie aber nur tun, wenn Sie Ihre persönliche Arbeit auch wirklich freigeben wollen.

Alternativ können Sie ankündigen, dass Sie nur die wichtigsten Ergebnisse rückmelden, dann sind Sie nicht verpflichtet eine allzu umfassende Rückmeldung zu geben. Für die meisten Teilnehmer genügt dies in der Regel auch. Fragen Sie sich: Welche Aspekte meiner Studie sind für Teilnehmer womöglich besonders interessant?

Allerdings müssen die befragten Personen für eine Rückmeldung eine E-Mail-Adresse hinterlegen. Das ist zwar bei den gängigen Online-Portalen möglich, ohne die Anonymität zu gefährden, kann aber mit Misstrauen einhergehen. Einfacher wäre es, die Ergebnisse zu einem ungefähren Datum (z.B. im Januar 2016) im Internet an einer bestimmten Stelle zu veröffentlichen. Gerne hier auf diesem Blog!

Viel Erfolg bei ihrer Studie!